Marianne Kiesselbach, 1971

In Mitten der Terrasse zwischen Bänken und Tischen befindet sich „Die Sinnende“ von Marianne Kiesselbach. In sich gesunken sitzt sie alleine im Zentrum, ihre Arme und Beine verschränken uns den Einblick in ihre Gedanken. Ihr aufrechter Sitz auf der Kante des Sockels lässt ihre Anstrengung erkennen und vermittelt ein Gefühl der Anspannung.

Mit der Körpersprache dieser Skulptur können sich wohl viele Studenten identifizieren. Die 1971 an der Mediziner-Mensa aufgestellte Skulptur der Künstlerin Marianne Kiesselbach stellt eine Frau in instabiler Sitzposition dar. Sie sitzt auf einem Sockel, den Rücken gerade und legt ihren Kopf in die rechte Hand, die sie mit ihrem linken Arm abstützt. Durch ihre breite Beinhaltung bietet sich ihr Gewand wie eine Schale dar. Ansonsten liegt es eng am Körper, sodass die Figur mit dem Gewand im Oberkörper verschmilzt. Nur die Haare oder ein Schleier fallen als eine Form fließend auf die Schultern herab. Die Frisur sieht streng zurückgenommen aus und ist am Oberkopf in einem Knoten zusammengefasst. Gesicht und Hände sind nur angedeutet ausgearbeitet. Durch die aufrechte Haltung, die schlanke hohe Gestalt und die strenge Frisur wirkt sie anmutig. Zugleich jedoch durch ihre Arm- und Gesichtshaltung verletzlich.

Die anmutige, schlichte Silhouette der Sinnenden strahlt eine zarte Verletzlichkeit aus, die sie in ihren Gesten verankert. Lediglich die glatte Oberfläche der Bronze führt uns von ihrem verdeckten Gesicht zu ihrem Schleier und Haaren zu den Schultern und hinab zu den überkreuzten Füßen, die ihr aufbereitetes Gewand wieder zusammenfinden lässt. Dieses Thema der tiefen, inneren Kontemplation illustriert uns die Tätigkeit des Geistes, in der sich ein jeder wiederfinden kann, der sich mit der Lösung eines Problems beschäftigt hat – sei es mathematischer, empirischer oder persönlicher Natur.

Terrasse der Cafeteria der Institutsgruppe II

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